Anlagestrategien: Haus schlägt Aktie

Wirtschaftshistoriker haben herausgefunden, dass Immobilien auf lange Sicht als Geldanlage lukrativer sind als Aktien. Allerdings wird der Hauskauf von hohen Risiken begleitet, die Preise steigen zwar langfristig, aber regional unterschiedlich stark.


Eine Studie mit überraschendem Ergebnis

Die Wirtschaftshistoriker recherchierten die Preisentwicklung von Aktien und Immobilien in 16 Industrienationen zwischen den Jahren 1870 und 2015. Das Resultat mag von vielen als Überraschung aufgenommen werden: In Ländern wie Deutschland, Australien, Japan und USA waren Wohnimmobilien und nicht etwa Aktien die attraktivere Anlageklasse.

– In allen untersuchten Ländern rentierten Häuser pro Jahr mit acht bis 8.5 Prozent.
– Aktien generierten Renditen zwischen sieben und 7.5 Prozent per anno.
– Mit Staatsanleihen konnten jährlich nur zwei Prozent erwirtschaftet werden.

Natürlich sind die Ertragsunterschiede zwischen beiden Assets gering und in einigen Staaten konnte mit Aktien zeitweise höhere Rendite erzielt werden als mit Wohnhäusern. Aus der Sicht der Historiker punkteten die Immobilienpreise im gesamten Zeitraum mit deutlich weniger Schwankungen.

Nicht immer sind Häuser die sinnvollere Anlagestrategie

Der Befund dürfte vor allem professionelle Anleger überraschen, da diese bislang überzeugt waren, dass Aktien mit langem Anlagehorizont die lukrativeren Investments sind. Bei der langfristigen Aktieninvestition entschädigen demnach hohe Erträge für das Aussitzen schwer kalkulierbarer Kursschwankungen. Die Wissenschaftler machten nun deutlich, dass Immobilien frei von nervenaufreibenden Schwankungsphasen ebenso renditestark wie die Königsklasse Aktien sind.

Allerdings raten die Forscher jetzt nicht jedem Anleger, in eine Immobilie zu investieren. Häuser seien nur zu bestimmten Zeiten und in vereinzelten Staaten die interessanteren Investments. Eine Wohnimmobilie in einem deutschen Ballungszentrum muss angesichts kontinuierlich steigender Preise teuer bezahlt werden und kann auf dem hohen Niveau kaum optimale Erträge abwerfen. Auch sei die Sicherheit dieser Geldanlage nicht grundsätzlich gegeben, sondern von der jeweiligen Entwicklung am Standort der Immobilie abhängig. In diesem Kontext erinnerten die Wirtschaftshistoriker an die Immobilienkrisen in den Vereinigten Staaten, Japan oder Spanien. Dort stiegen die Preise zunächst enorm an, um nachfolgend ins Bodenlose zu fallen.

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