Banken immer noch sehr risikofreudig

Ungehemmtes “Zockertum” und die Jagd nach immer höheren Gewinnen gelten als wichtige Faktoren, die vor zehn Jahren in die Finanzkrise geführt haben. Manchem mag noch das von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann propagierte Ziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite vor Augen stehen – nur ein Beispiel von vielen aus der damaligen Bankenwelt.


Als die Blase geplatzt war, war man sich eigentlich einig, dass es nie wieder so weit kommen sollte. Strengere Regeln und eine rigidere Bankenaufsicht sollten die Risikobereitschaft der Institute nachhaltig zügeln. Heute ist von diesen guten Vorsätzen offenbar nicht mehr so viel übrig. Diesen Eindruck vermittelt wenigstens eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft pwc unter 100 Entscheidern aus deutschen Banken.

Fehlanreize durch Boni bestehen weiter

Nur knapp die Hälfte der Befragten konnte ein deutliches Umdenken im Umgang mit Risiken feststellen. Fast genauso viele sagten, es habe kaum oder keine Änderungen in der “Risikokultur” gegeben. Eine wesentliche Ursache dafür sind nach wie vor die Bonussysteme, die riskantes Agieren fördern. 51 Prozent der Umfrage-Teilnehmer sehen die Boni als Risikotreiber an. Versuche, die “Extra-Vergütungen” mehr am nachhaltigen Unternehmenserfolg, weniger an kurzfristigen Gewinnen auszurichten, sind offenbar nicht weit gekommen. Auch mögliche Bonus-Sanktionen bei Fehlentscheidungen machen wenig Eindruck.

Noch viel zu wenig Risikokultur

73 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass die hochgesteckten Zielvorgaben in vielen Häusern Mitarbeiter dazu verleiten, höhere Risiken einzugehen. Auch in puncto “Werte” stellt pwc erhebliche Defizite fest. Nur jedes vierte Institut verfügt über einen Wertekanon. Häufig wird er nicht gelebt. Laut pwc besteht nur in gut der Hälfte der Fälle eine Übereinstimmung zwischen Kanon und Praxis. Lediglich ein Drittel der Banken besitzt ein Rahmenwerk für Risikokultur, ein weiteres Drittel plant das immerhin, jedes dritte Institut nicht einmal das.

Überraschend positiv gewürdigt wird die strengere Regulierung seit der Bankenkrise. 86 Prozent der Befragten bewerteten sie als hilfreich, um eine bessere Risikokultur zu fördern.

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