Chefaufseher bei Wirecard gibt auf

Wirecard gehört zu den Shooting-Stars an der Deutschen Börse. 2018 verdrängte der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München sogar die Commerzbank aus dem DAX. Bereits im Vorfeld hatte es immer mal wieder Berichte über Manipulationen im Rechnungswesen des Unternehmens gegen. Seit der DAX-Aufnahme verstärkte sich dies noch – wohl mit ein Grund, warum jetzt der Wirecard-Chefaufseher Wulf Matthias sein Amt aufgibt.


Offiziell wird der Schritt des 75-jährigen Aufsichtsratsvorsitzenden damit begründet, dass er einem Jüngeren Platz machen und damit einen notwendigen Generationswechsel einleiten wolle. Matthies wird dem Aufsichtsrat weiterhin angehören, aber nur noch als einfaches Mitglied. An seine Stelle rückt Thomas Eichelmann , bisher Leiter des Prüfungsausschusses. Obwohl die Gesichter im Aufsichtsrat die gleichen bleiben, der – wohl nicht ganz freiwillige – Abtritt hat Signalwirkung.

Wer manipuliert – Wirecard oder Financial Times?

Die Börse reagierte auf den gleich zum Jahresauftakt bekannt gegebenen Amtsverzicht mit einem Freudensprung. Die Wirecard-Aktie, die seit der DAX-Aufnahme eher einen Schlingerkurs fährt, legte gleich um mehrere Prozentpunkte zu. Es wird sich zeigen, ob das ein Strohfeuer ist oder eine nachhaltigere Entwicklung. Das wird auch davon abhängen, ob es gelingt, für mehr Transparenz und Corporate Governance in der Buchhaltung zu sorgen. “Kleinere Qualitätsmängel” im Rechnungswesen musste das Unternehmen im Zusammenhang mit Geschäften in Singapur bereits einräumen.

Mehr als das wirft die angesehene britische Wirtschaftszeitung “Financial Times” Wirecard vor. In einer Serie von Artikeln hat die Zeitung in den vergangenen Monaten über Scheinbuchungen und Bilanzmanipulationen bei dem Zahlungsdienstleister berichtet. Im Fokus stehen dabei die Wirecard-Töchter in Irland und Dubai. Wirecard bestreitet die Vorwürfe und wirft der Financial Times seinerseits eine konzertierte Aktion mit Spekulanten vor, um die Wirecard-Aktie gezielt nach unten zu schreiben.

Allerorten wird ermittelt

Finanzaufseher und Staatsanwalt ermitteln, Wirecard will rechtlich gegen die Zeitung vorgehen – gute Schlagzeilen sehen anders aus. Insofern dürfte der Rückzug von Matthies für einen Neuantritt in Sachen Image, Transparenz und Aktionärsinteressen stehen.

Bildmaterial: eyetronic-fotolia

 
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