Commerzbank nun richtig aggressiv

Voller Aggressivität stürzt sich die Commerzbank auf die Herausforderungen des bevorstehenden Umbruchs. Dazu wollen die Chefs zahlreiche Mitarbeiter freistellen, große Summen in die Digitalisierung investieren und trotzdem mehr Gewinn erwirtschaften als bisher.


Die Commerzbank ist immer noch bei der Neuorientierung

Nach dem Milliardengewinn von 2015 sind die Entscheidungsträger der zweitgrößten Bank Deutschlands 2016 wieder auf dem Boden der Realität angelangt. Das Geldhaus befindet sich immer noch in einer langen Übergangsphase, auch 2017 werden Kosten eingespart, Stellen abgebaut und effizientes Wachstum per Zusammenlegung anvisiert.

Wachstum erwartet die Commerzbank vor allem im Privatkundensegment, dazu hat die Tochter Comdirect das Finanzportal Onvista erworben, um den Direktbankkunden ein noch besseres Anlageuniversum zu bieten. Der Erwerb ist der Erste nach der Finanzkrise, in welcher der Konzern mit 18 Milliarden Euro an Steuergeldern vor der Pleite gerettet werden musste. Doch streckt das Institut seine Fühler nach neuen Gelegenheiten aus und hat Interesse an der Oldenburgischen Landesbank (450.000 Kunden und 200 Filialen) bekundet.

Warum die Commerzbank keine Filialen schließt

Laut Angaben aus der Geschäftsleitung eröffnen immer noch 85 Prozent aller Neukunden ein Girokonto in einer Filiale, dies gilt jedoch nicht für die Kunden der Tochter Comdirect. Eine Million neue Kunden haben sich, seit 2012 für das Institut entschieden, bis 2020 sollen noch einmal zwei Millionen Privatkunden dazukommen. Die aktuell 1.000 Zweigstellen bleiben auch deswegen bestehen, allerdings werden sie nach vollendeter Digitalisierung mit erheblich weniger Personal als derzeit auskommen.

Commerzbank streicht fast 10.000 Stellen

Arbeitsplätze gehen im Privatkundengeschäft durch die Digitalisierung verloren und dies betrifft auch das Geschäft mit Firmenkunden, obwohl dieser Sektor um das Investmentbanking erweitert werden soll. Die geplanten Entlassungen kosten die Commerzbank in den kommenden zwei Jahren Abfindungen in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro. Die Entlassungen sollen letztendlich dazu beitragen, dass die Bank ab 2020 für jeden verdienten Euro nur noch 66 Cent auf der Kostenseite stehen hat, bislang sind es jedoch 79 Cent.

Viele ehemalige Banker prüfen den Weg in die Selbstständigkeit sehr ernsthaft. Zwei kostenlose Onlinetools helfen weiter: Der Unternehmercheck und der Einkommenscheck.

Bildmaterial: ©fotolyse/Fotolia