Deregulierung der Finanzbranche

Da in den Vereinigten Staaten eine Deregulierung der Finanzbranche bevorsteht, blicken die dortigen Geldhäuser einer vergleichsweise rosigen Zukunft entgegen. Deutsche und europäische Institute sind hingegen von niedrigen Zinsen, enormen Altlasten und einengenden Vorschriften geplagt.


Deregulierung gibt den Banken ausreichenden Spielraum

Nach der Finanzkrise von 2008 entwickelte die US-amerikanische Regierung unter Barack Obama ein Gesetz mit 900 Seiten Umfang, welches die Stabilität der Finanzmärkte optimieren sollte. Der sogenannte Dodd-Frank-Act schränkte die US-Banken jedoch erheblich bei ihren geschäftlichen Aktivitäten ein und war seit Anbeginn umstritten.

Der neue amerikanische Präsident Donald Trump hatte als erfolgreicher Unternehmer die fesselnden Eigenschaften des Dodd-Frank-Acts erkannt und bereits im Wahlkampf baldige Lösung versprochen. Es geht dabei nicht um die völlige Entfesslung der Finanzbranche, wie es von politischen Gegnern Trumps gerne vorgetragen wird. Es sollen aber die normale Geschäftsaktivität einengende Regulierungen weichen, um die Profitabilität der amerikanischen Banken zu erhöhen. Die Institute müssen aus der Sicht der neuen US-Administration ihre Hauptaufgaben wieder erfüllen können: Einlagen mit Gewinn als Kredite verleihen.

Ein Mann der Tat

Den europäischen Politikern und Bankern ist Donald Trump nicht geheuer, weil er seine Versprechen in atemberaubendem Tempo umsetzt. Dies führt zu einem weiteren Wettbewerbsnachteil für die europäischen Geldhäuser. Allein die Aussichten auf Arbeitsmarktreformen, Deregulierungen bei Banken sowie Unternehmen und massive Steuersenkungen haben die wirtschaftlichen Perspektiven der USA erheblich verbessert. Die Federal Reserve wird ihre Leitzinsen schneller als ursprünglich angenommen erhöhen. Und damit werden für europäische Anleger Aktieninvestments in amerikanische Großbanken oder Konzerne zunehmend attraktiver.

Europäische Banken verlieren den Anschluss

Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld sind über Kreditgeschäfte kaum ausreichende Profite zu erwirtschaften, zudem engen die Bestimmungen aus Basel III die Vergaben dramatisch ein. Darüber hinaus sind viele europäische Institute mit erheblichen Altschulden belastete, denn staatliche Rettungsaktionen sicherten nur das Überleben. In Amerika zeigen sich die Banken wesentlich gesünder, weil nach 2008 alle Institute in Schieflage konsequent abgewickelt wurden. Entweder folgen Deutschland und Europa dem amerikanischen Ansatz, oder die europäischen Geldhäuser werden der US-Konkurrenz weiter hinterherhinken.

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