Deutsche Banken fallen immer weiter zurück

Seit etwa zehn Jahren verlieren deutsche Banken im Vergleich zu internationalen Häusern an Bedeutung. Vor allem die führenden Institute der Republik haben es versäumt, wichtige Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.


Übernahmen im falschen Moment

Die Commerzbank hätte mit dem 31. August keinen ungünstigeren Zeitpunkt zur Übernahme der Dresdner Bank wählen können. Zwei Wochen nach der Bekanntgabe begann die Bankenkrise in den USA mit dem Bankrott der Lehman Brothers. Zwar reduzierte sich der Übernahme-Preis von 9.8 auf 5.5 Milliarden Euro, die Commerzbank musste jedoch mit insgesamt 18.2 Milliarden Euro vom Staat gestützt werden. Das Geldhaus ist seither zu 15.5 Prozent in Staatsbesitz, die Aktie hat bis heute kontinuierlich an Wert verloren.

Ähnlich erging es der Deutschen Bank, die von den ersten Auswirkungen der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen, die Postbank übernahm. Die Entscheidung war zwar nachvollziehbar, da sie das Massengeschäft stärkte und damit das Haus stabilisierte. Jedoch hielt Deutschlands erstes Geldhaus zu lange am alten Geschäftsmodell fest. Das Institut handelte sich an den amerikanischen Finanzmärkten hohe Strafen für Fehlverhalten ein und strebte Ziele an, die mit den eigenen Ressourcen nicht zu vereinbaren waren. Die Aktie kennt seither nur eine Entwicklung in südliche Richtung.

Keine wirkliche Erholung in Sicht

Die beiden wichtigsten Banken Deutschlands streben nach steigenden Einnahmen und sehen sich angesichts der EZB-Geldpolitik mit dauerhaften Herausforderungen beim Kerngeschäft konfrontiert. Beide Institute setzen auf drastische Kostenreduzierung und Gewinnmaximierung. Da sich die Erträge im andauernden Niedrigzinsumfeld nur schwer steigern lassen, werden Mitarbeiter zunehmend durch automatisierte Abläufe ersetzt. Vor allem die Deutsche Bank sucht europaweit nach Kooperationspartnern, weil mit Fusionen die Position am EU-Markt gestärkt werden soll.

Bei der Commerzbank gab es bereits mehrmals Gerüchte, dass sie von spanischen oder französischen Großbanken übernommen werden soll. Bislang dementierte die Geschäftsleitung ebenso wie der Staat als wichtigster Aktionär. Die ehemals glanzvollen Häuser eint der seit Jahren anhaltende geschäftliche Stillstand, während sich die Mitbewerber in den Vereinigten Staaten vorteilhaft entwickeln.

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