Filialstrategie der Commerzbank

Auch die Commerzbank blickt einer ungewissen Zukunft entgegen und möchte auf alle Fälle vorbereitet sein. Das Geldhaus leidet unter den anhaltenden Niedrigzinsen, muss Kosten senken und will seine Kundschaft nicht vergraulen.


Hinhaltende Strategie

Die Entscheider der Commerzbank wissen, dass allen digitalen Verlockungen widersprechend, die meisten Kunden auf persönlichen Ansprechpartnern in Filialen bestehen. Sieben von zehn Neukunden gewinnt das Institut nach wie vor in einer Niederlassung. Deshalb wird der Kundschaft seit Jahren ein weiterhin dichtes Filialnetz mit facettenreichen Dienstleistungen versprochen. Mit der Realisierung hapert es jedoch gewaltig angesichts wegbrechender Zinsmargen und externer Bedrohungen. Präsenz wird, trotzt mangelnder Liquidität vor allem in den Metropolen angestrebt, ländliche Regionen werden bis auf Weiteres eher vernachlässigt.

Bereits 500 Niederlassungen geschlossen

Nachdem die Commerzbank 2011 mit der Dresdner Bank fusioniert, über 1500 Filialen verfügte, reduzierte das Geldhaus die Niederlassungen um gut ein Drittel. Die restlichen 1006 Zweigstellen sollen erhalten bleiben und modernisiert werden. Ständig steigende Regulierungskosten und zurückgehende Einnahmen lassen jedoch immer weniger Spielraum für derartige Vorhaben. Um die Gunst der Kundschaft nicht aufs Spiel zu setzen, werden mit viel medialem Aufwand sogenannte Vorzeigefilialen (neudeutsch Flagships) in Betrieb genommen. Den Verbrauchern wird damit preiswert das vermeintliche Einhalten von Versprechen vorgespielt. Die Realität sieht anders aus: Alle 1006 Filialen sollten bis Ende 2019 fertig modernisiert sein. Inzwischen ist nur noch von 500 Niederlassungen die Rede, deren Fertigstellung bis Ende 2022 in Aussicht gestellt wird.

Warum hält die Commerzbank ihre Versprechen nicht

Der finanzielle Aspekt wird von einer aus heutiger Sicht ungewissen Zukunft begleitet. Die Niedrigzinsen werden nach jüngsten Äußerungen der EZB noch lange bestehen bleiben und auf die Margen drücken. Das Bedrohlichste ist jedoch die angestrebte Verkleinerung des deutschen Bankenwesens durch verschärften Wettbewerb und Fusionen. Wenn ein Institut dauernd Gerüchten in Bezug auf feindliche Übernahmen ausgesetzt ist, kann es keine Lösungen für aktuelle Probleme entwickeln. Deswegen schiebt die Commerzbank den Umbau ihres Filialnetzes so lange wie möglich hinaus.

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