Statt Banken nun E-Geld Institute

Klassische Banken wollen ihre Chancen bei der Digitalisierung von Finanzdienstleistungen nutzen. E-Geld-Institute bedeuten für sie jedoch eine unerwartete und bisher kaum beachtete Konkurrenz. Die zunehmende Präsenz treibt die bargeldlose Gesellschaft voran.


Rechtliche Rahmenbedingungen von der EU geschaffen

Mit der so bezeichneten E-Geld-Richtlinie hat die Europäische Union bereits vor sechs Jahren auch Nicht-Banken die Erlaubnis erteilt, Zahlungskarten und Girokonten anzubieten. Die E-Geld-Institute greifen seither europaweit das Kerngeschäft der etablierten Geldhäuser an. Der Deutsche Bundestag setzte die Richtlinie zum 1. März 2011 um, in der Finanzbranche wurde der Umsetzung allerdings keine nennenswerte Aufmerksamkeit geschenkt. Bislang sind die Institute noch absolute Geheimtipps, Experten sehen in ihnen einen weiteren Baustein auf dem Weg ins bargeldlose Zeitalter.

E-Geld-Institute haben gegenüber Banken erhebliche Vorteile

Sie müssen sich aufgrund der EU-Richtlinie nicht aufwendig und kostenintensiv um eine Banklizenz kümmern, das verleiht ihnen in Deutschland ebenso wie in Europa zunehmende Attraktivität. In der Bundesrepublik erteilt den Instituten die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) die Erlaubnis zum Anbieten von Dienstleistungen mit elektronischem Geld.

Ein Wachstumsmarkt mit gigantischen Dimensionen

E-Geld-Institute arbeiten mit elektronischem Geld, welches als digitales Bargeld auf Servern gespeichert und den Nutzern per Smartphone zur Verfügung steht. Fachleute gehen davon aus, dass in etwa zwei Jahren elektronische Geldprodukte etwa 10 Prozent des globalen bargeldlosen Zahlungsverkehrs ausmachen. Das Smartphone wird dann für Verbraucher zum persönlichen Geldautomaten. Die bislang häufig verbreiteten Bezahlmöglichkeiten mit digitalem Geld funktionieren wie elektronische Geldbörsen in Form von aufladbaren Zahlkarten. Die Zahlungsfunktionen werden jedoch zunehmend in Smartphones integriert.

Die wenig bekannte Bedrohung

Während den meisten Deutschen die Existenz der E-Geld-Institute noch nicht bekannt ist, werden sie nach Ansicht von Experten in wenigen Jahren zur Alternative für klassische Banken. Da sie zudem immer mehr werden und Dienstleistungen ebenso sicher wie kostengünstig anbieten, sind sie als Mitbewerber den traditionellen Banken in vielerlei Hinsicht überlegen. Sie vergeben keine Kredite, sind keinen Haftungsrisiken ausgesetzt und gehören daher auch nicht der EU-Bankenunion-Haftungsgemeinschaft an.

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