Wie geht es mit der Commerzbank weiter?

Die Spekulationen zum Schicksal der Commerzbank werden auch unter der neuen Regierung immer facettenreicher. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus wurde vor zehn Jahren mit Steuergeldern am Leben gehalten und steht seither im Fokus vieler Investoren.


Wird die Commerzbank verkauft?

Aus wirtschaftlicher Perspektive besteht derzeit kein Grund, an einen Verkauf der Commerzbank zu denken. Die Aktie notiert aktuell bei rund 10 Euro und dieser Wert würde für Anteilseigner wie beispielsweise den Bund massive Verluste bedeuten. Im Gegenteil könnte der niedrige Kurs neue Investoren zum Einstieg bewegen. Allerdings blockt die Regierung seit Jahren die Kauf- oder Beteiligungs-Anfragen europäischer Banken ab. Interessiert waren bereits Santander aus Spanien, Unicredit aus Italien und die französische BNP Paribas.

Ist an eine Fusion gedacht?

Aus der Deutschen Bank und der Commerzbank könnte bei einer Fusion ein starkes nationales Bankhaus entstehen, jedoch harmoniert dieses Szenario nur wenig mit der vorherrschenden Ideologie. Beide Bankchefs dementieren bislang die Ernsthaftigkeit derartiger Pläne, obgleich ein Zusammenschluss vor zwei Jahren diskutiert wurde. Selbst Großinvestor Cerberus, der an beiden Geldhäusern beteiligt ist, hält eine Fusion aktuell für ausgeschlossen. Auch der Hinweis von Tom Kinmonth, einem Analysten bei ABN-Amro, dass ein nationaler Zusammenschluss effizienter sein würde als eine grenzüberschreitende Fusion, verhallt ungehört. Vor allem in Berlin, Paris und Brüssel werden derzeit völlig andere Ziele verfolgt.

Setzen Politiker den Spekulationen ein Ende?

Bei Betrachtung der Pläne von Präsident Macron, Kanzlerin Merkel und EU-Kommissar Juncker wird die Zukunft der Commerzbank wahrscheinlich eine Europäische sein. Es wird bereits an einem EU-Finanzministerium und weiteren europäischen Einrichtungen gearbeitet, die in wenigen Jahren nationale Ministerien ersetzen sollen. Im Rahmen dieser Bestrebungen könnte das Übernahme-Angebot der BNP Paribas beziehungsweise eine Fusion von Berlin wohlwollend durchgewunken werden. Investor Cerberus dürfte keine Einwände haben, solange die Kursentwicklung bei der Commerzbank im grünen Bereich verläuft. Die beiden Banken werden vermutlich zuletzt oder gar nicht gefragt, da es um die Umsetzung des Staats Europa geht. Gleichwohl ist auch dieses Szenario spekulativ gezeichnet und muss nicht eintreten.

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